Beitrag 2 von 9

Der Anfang

Die Hauptstraße von Neustadt an der Aisch
Neustadt an der Aisch, dort, wo ich 1989 geboren wurde. Foto: Vacatko56 (CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons).

Alles hat dort angefangen, wo es sich am unwichtigsten anfühlt: in Neustadt an der Aisch, einem Mittelzentrum in Mittelfranken, irgendwas zwischen Nürnberg und dem Main. Ich wurde am 2. August 1989 geboren und bin im Gemeindeteil Altschauerberg der Gemeinde Emskirchen aufgewachsen. Ein Dorf. Felder, Wald, eine Bahnlinie, und ein Haus, das später die „Drachenschanze“ heißen würde.

Bevor aus mir jemand wurde, den das halbe Internet kannte, war ich ein Kind, das schlecht lesen konnte. Ich bin Legastheniker und habe eine Förderschule besucht – laut eigener Angabe, wie man das heute so formuliert. Und was in so einer Schule passiert, wenn du nicht so kannst wie die anderen, weißt du: Ich wurde gemobbt. Jahre lang. Das war noch lange vor dem Internet. Das Cybermobbing hat es später nur schlimmer gemacht – es hat es erfunden. (Das hier ist meine Erinnerung, keine Aktennotiz.)

Zeitarbeit und Metal

Nach der Schule ging es, wie für viele aus so einem Dorf: über eine Zeitarbeitsfirma von Job zu Job. Nichts Besonderes. Aber ich hatte eine Sache, die mich durchgehalten hat: Metal. Headbanging, Bands, Konzerte – Metal war nie nur Musik für mich. Es war die Sprache, in der ich mich verständlich machen konnte, ohne ein Buch zu lesen.

Publikum auf dem Wacken Open Air
So sah mein Leben aus: Lärm, Matsch, Metal. Foto via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

11. August 2011

Im Sommer 2011 habe ich die Zeitarbeit an den Nagel gehängt und angefangen, Videos zu machen. Am 10. August 2011 wurde mein YouTube-Kanal angelegt. Am 11. August 2011 kam das erste Video online. Es zeigte einen Mann, der den Kopf bewegte. Das war’s. Keine Einleitung, keine Erklärung. Einfach: Metal und ein nickerischer Kopf.

Dann kamen Let’s Plays dazu – ich habe Spiele gespielt und dabei geredet – und Metal-Inhalte. Reviews, Meinungen, Vlogs aus Altschauerberg. Die ersten Jahre war es genau das, was es war: ein kleiner Kanal aus Bayern. Manche mochten es, manche nicht. „Nicht“ war in meinem Fall allerdings selten freundlich gemeint. Mein Äußeres, mein Dialekt, meine Art – daraus wurde schnell ein Ziel für verbale Attacken.

Was aus dem kleinen Kanal wurde, habe ich erst viel später verstanden. Über 200.000 Abonnenten, über 18 Millionen Aufrufe auf den zuletzt öffentlichen Videos – so steht es in den Statistiken, die 2022 aufnahmen, kurz bevor YouTube den Kanal löschte. Aber die Abonnenten waren die halbe Geschichte. Die andere Hälfte hieß später „Drachengame“.

So viel vorweg: Der Anfang war harmlos. Ein Dorf, ein Song, ein Kopf, der nickt. Der Rest ist ein Drama, das ich nicht geplant habe – aber zu dem ich auch beigetragen habe. Beides steht in den nächsten Beiträgen.

Quellen zu diesem Beitrag
  • Wikipedia: „Drachenlord“ (de) – Lebenslauf, Kanalgründung, Statistiken
  • Socialblade: Drachenlord (Kanalstatistiken)