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Mein Name, andere Verbrechen

Eine Straße in Neustadt an der Aisch
Eine Straße, die es gibt. Und Straßennamen, die es nur in den Köpfen der Hater gibt. Foto via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Das ist der Beitrag über das, was das Drachengame am effektivsten macht: Es ist nicht die Lüge, die es verbreitet. Es ist die Lüge, die es mit meinem Namen verkauft. Als wäre mein Name ein Stempel. Als stünde er für etwas, das mit mir nicht zu tun hat.

März 2019: Utrecht

Nach dem Messerangriff in Utrecht, bei dem ein Mensch starb, zeigte ein türkischer TV-Sender auf Basis gefälschter Internetinformationen auf mich. Als den Täter. Ich habe keinen Messerangriff in den Niederlanden begangen. Ich war nicht in Utrecht. Aber mein Gesicht war für einige Stunden auf einem Bildschirm zu sehen, mit dem Namen eines Mordes.

Oktober 2021: Kongsberg

Nach dem Angriff auf die Stadt Kongsberg in Norwegen änderten Hater meinen Namen in „Rainer Winklarson“ um und verbreiteten ihn als den Namen des Täters. Die „tagesschau“ ermittelte später: Fünfzig Medien in Italien, Griechenland, Frankreich und Japan hatten die Geschichte aufgeschnappt und weitergegeben. Fünfzig. Nicht „ein paar“. Fünfzig. In vier Ländern. Auf Basis eines Namens, den ich mir nie gegeben habe.

Das ist keine „Falschmeldung“. Das ist eine koordinierte Lüge, die ein reales Verbrechen mit einem realen Menschen verbindet, der damit nichts zu tun hat. Und das Schlimmste daran ist: Es funktioniert. Weil mein Name in den Nachrichten schon so oft als negative Figur vorkam, dass die nächste Meldung ohne Prüfung durchging. Das ist keine Theorie. Das ist ein Ergebnis.

Januar 2023: Bild

Am 30. Januar 2023 druckte die „Bild“ ein Interview mit mir. Ein Interview, das es nie gab. Das „Interview“ wurde wahrscheinlich von einem Hater erfunden – der Reporter hatte gefälschte Dokumente vorgelegt bekommen. Ich habe es in einem Livestream widerlegt. Die „Bild“ hat es zurückgezogen. Aber es war 24 Stunden lang da. Und in diesen 24 Stunden hatte es einen Namen: den meinen. Und es stand da, als hätte ich etwas gesagt, das ich nie gesagt habe.

August 2024: CDU-Plakate

Im August 2024 tauchten in Sachsen CDU-Wahlplakate mit meinem Gesicht auf: „Er hat die Stärke, die es braucht“. Daneben: Sticker von „Die Linke“. Meiner. Von beiden Seiten gleichzeitig. Als wäre ich ein politisches Symbol, das man überall verwenden kann, wo man Leute verärgern will. Das ist keine Satire. Das ist eine Beleidigung, die auf einem Wahlplakat steht. Und sie hat funktioniert, weil mein Gesicht in Sachsen bekannt war – aus den Nachrichten, aus dem Drachengame, aus einem BKA-Video.

Was das bedeutet

Mein Name ist kein Name mehr. Er ist ein Code. Ein Verweis auf eine Community, die mein Gesicht für alles verwendet, was sie veröffentlichen will. Ein Mord. Ein Interview. Ein Wahlplakat. Ein BKA-Video. Und das ist die letzte Stufe des Drachengames: Wenn dein Name so oft in der falschen Sache auftaucht, dass er nicht mehr zu dir gehört. Sondern zu dem, was mit dir passiert ist.

Quellen zu diesem Beitrag
  • Wikipedia: „Drachenlord“ (de) – Falschmeldungen (Utrecht, Kongsberg, Bild, CDU)
  • Deutschlandfunk Nova: „Drachenlord und seine Hater – die Fake-News-Falle“ (2021)
  • Tagesschau: „Drachenlord“ als Kongsberg-Täter benannt (2021)