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Die Schanze fällt

Zugang zur Drachenschanze in Altschauerberg
Der Weg zur Schanze – ein letzter Besuch, bevor alles vorüber war. Foto: Julia Seeliger (CC0, via Wikimedia Commons).

Im Oktober 2021 – mitten im Prozess – habe ich mein Haus an die Gemeinde Emskirchen verkauft. Das wurde in den Verfahren bekannt. Ich habe es gemacht, weil es für mich keinen Sinn mehr hatte, ein Haus zu halten, um das sich täglich Polizeieinsätze drehten. Und weil die Gemeinde es wollte. Und weil das Dorf es brauchte. Das sage ich nicht, um mich zu entschuldigen. Ich sage es, weil es so war.

Februar 2022: Auszug

Im Februar 2022 bin ich ausgezogen. Das war keine Entscheidung, die man mit Kisten und einem Umzugswagen plant. Ich habe keinen Wohnraum gefunden. Niemand, der mir einen Mietvertrag gab, weil mein Name auf der Suche nach „Drachenlord“ an erster Stelle stand – zwischen Sirenen, Gerichtsterminen und einer Abbruchanzeige. Man stelle sich das vor: Man steht in einem Zimmer, und die Person, die einen da reinlässt, ruft vorher bei der Lokalzeitung an.

Die Bürgermeisterin sagte damals, sie hoffe, damit sei „endgültig Ruhe“ in den Ortsteil eingekehrt. Das ist ein Satz, der klingt, als würde man einen Sturm aus dem Fenster tragen. Und das war er auch.

März 2022: Der Abriss

Im März 2022 riss die Gemeinde das Haus ab. Unter Polizeischutz. Bagger, Absperrungen, Einsatzkräfte an den Rändern. Ein Elternhaus in Mittelfranken, abgerissen wie eine Festung, die man sprengt, weil man sie nicht mehr halten kann. Die Schanze fiel. So hieß sie. Und sie fiel.

Und dann? Dann kam das Auto.

Das Leben auf vier Rädern

Ich bin umgezogen – das ist der bürokratische Begriff dafür. Tatsächlich habe ich Deutschland im Auto durchquert. Hotels, Nächte am Straßenrand, ein Kofferraum, der alles war: Archiv, Schrank, Schlafplatz, Studio. Ich habe weiter gestreamt. Aus dem Auto. Aus Parkhäusern. Aus Tiefgaragen, in denen die Luft nach Benzin und schlechtem Wi-Fi roch.

Und die Hater? Die waren da. Natürlich waren sie da. Im April 2022 fanden sie mich in Dortmund. Im Sommer 2023 stahlen sie mir Besitz – die Polizei ermittelt. 2024, im Vogtland, bei Plauen, kamen bis zu fünfunddreißig Leute zu meiner Unterkunft. Und im Mai 2022 gab es den nächsten falschen Notruf, diesmal in einem Nürnberger Hotel. Wieder ein Großeinsatz. Wieder Sirenen. Nur diesmal war es mein Hotelzimmer, das abgeriegelt wurde.

Im August 2022 löschte YouTube meinen Kanal. Elf Jahre. Zehntausende Videos. 200.000 Abonnenten. Einfach weg – nach einer letzten Überprüfung, die das Ergebnis hatte, das das Ergebnis hatte. Das war der Moment, in dem es nicht mehr einen Drachenlord gab. Nur noch einen Mann in einem Auto, der manchmal vor einer Webcam saß.

Was ich dazu sage

Ich verstehe, warum die Gemeinde abgerissen hat. Das Dorf hatte zwei Jahre lang unter einer Belagerung gelebt, die kein Krieg war, aber wie einer aussah. Ich verstehe auch, dass sie sich ein Normalleben zurückgewünscht haben, ohne mein Haus als Anker. Das ist kein Verrat. Das ist Selbstschutz.

Aber ich sage auch, was die wenigsten sagen: Ich bin obdachlos geworden. Und das ist ein Satz, den man in dieser Geschichte nicht hören muss. Weil er nicht in die Kategorie passt, die die Leute für mich reserviert haben. Aber er gehört dazu. Weil ich der bin, der ihn erzählen kann.

Quellen zu diesem Beitrag
  • BR: „Umstrittener Drachenlord hat Altschauerberg verlassen“ (Februar 2022)
  • Süddeutsche Zeitung: „Mein Wunsch wäre ein normales Leben“ (24. März 2023)
  • Wikipedia: „Drachenlord“ (de) – Hausverkauf, Abriss, Fake-Notruf, Kanal-Löschung