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Schanzenfest
26. September 2026
Mein Haus hatte einen Namen bekommen, den ich nie vergeben habe: die „Drachenschanze“. Eine Schanze ist eine feste Stellung. Das passte. Es war ein Haus, um das sich irgendwann mehr Polizeieinsätze drehten als um die meisten Kasernen im Land.
August 2018: 10.000 kommen (nicht)
Im Sommer 2018 kündigten sich laut den Aufrufen mehr als 10.000 Personen für eine unangemeldete Veranstaltung an – das „Schanzenfest“. Mehr als 10.000 Menschen für ein Dorf, in dem es einen Bäcker und eine Tankstelle gab. Das Landratsamt verhängte ein Versammlungsverbot für den Zeitraum vom 18. bis 21. August 2018 – für die gesamte Gemeinde Emskirchen. Nicht für eine Straße. Für die ganze Gemeinde.
Am 20. August 2018 kamen trotzdem Leute. Rund 800 Mitglieder der Community, unangemeldet, in Altschauerberg. Aus dem gesamten deutschsprachigen Raum – Leute reisten an, um an einem Haus in Mittelfranken zu stehen. Die Polizei erteilte rund 300 Platzverweise.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte in der „Frankenschau“ des BR, er werde alles dafür tun, „um die Ruhe in diesem Dorf wiederherzustellen“. Die Ruhe. Als wäre das ein Zustand, den man einfach zurückdrehen kann, wie einen Lautstärkeregler.
Am 20. Oktober 2018 gab es den nächsten Versuch. Ein massives Polizeiaufgebot verhinderte das Zusammenkommen – dieses Mal komplett. Ein Dorf im Dauer-Lockdown aus Uniformen.
Das Dorf unter Allgemeinverfügung
Was dann passierte, habe ich so noch nicht erlebt, und das sagt etwas über die Skala: Die Gemeinde Emskirchen erließ Allgemeinverfügung um Allgemeinverfügung.
- 24. September 2018: Versammlung von mehr als zwölf Personen im gesamten Gemeindeteil verboten – bis zum 1. Januar 2019.
- 27. Februar 2019: Auch das Mitführen von Feuerwerkskörpern und Vermummungsgegenständen verboten.
- 6. September 2021: Die Grenze sank auf acht Personen. Wer in den letzten drei Jahren einen Platzverweis im Geltungsbereich bekommen hatte, bekam ein vollständiges Betretungsverbot für den Gemeindeteil.
Dazu ein Durchfahrtsverbot für den Ort. Und so lebte Altschauerberg zwei, drei Jahre: unter Verfügung, unter Polizei, unter Beobachtung. Die Leute im Dorf mussten mit ansehen, wie ihr Ortsteil zur Bühne wurde – für Leute, die sie nicht kannten, für Journalisten aus dem ganzen Land, für Fernsehteams.
Und ich? Ich war in der Schanze. Das war mein Zuhause. Und was ich dort erlebt habe, steht in diesem Blog und in den Akten: Nacht für Nacht Lärm, Steine, Notrufe, Sirenen. Aber auch – das muss man ehrlich sagen – meine eigenen Reaktionen, die das Ganze immer wieder neu anheizten. Darüber schreibe ich im nächsten Beitrag. Vor Gericht.
- Wikipedia: „Drachenlord“ (de) – Versammlungen in Emskirchen, Allgemeinverfügungen
- Der Spiegel: „Die Belagerung des Drachenlords“ (21. August 2018)
- Der Spiegel: „Schanzenfest beim Drachenlord mit Großaufgebot verhindert“ (21. Oktober 2018)
- BR: „Umstrittener Drachenlord hat Altschauerberg verlassen“ (2022)